Dem Stress auf der Spur:

Wie du dein persönliches Stressgeschehen identifizierst

Stress besteht aus drei Teilen

Meine Anregung zur Reflexion aus dem letzten Blockbeitrag hat die drei Bestandteile des Stressgeschehens beleuchtet. Es handelt sich dabei um die drei Bestandteile, die es grundsätzlich immer zu unterscheiden gilt, wenn wir über Stress sprechen.

Der erste Satzanfang „ich gerate in Stress, wenn…“

zielt ab auf die Auslöser von Stress in Form von äußeren belastenden Bedingungen und Anforderungen. Diese nennen wir auch Stressoren. Beispiele sind: Lärm, Kälte, eine ungerechtfertigte Beurteilung vom Chef, ein volles E-Mail-Postfach …

Der zweite Satzanfang „wenn ich im Stress bin, dann…“

zielt ab auf das, was in uns und mit uns geschieht, wenn wir mit Stressoren konfrontiert werden. Es geht also hier um die körperlichen und psychischen Antworten auf Belastungen. Diese bezeichnen wir entsprechend als Stressreaktionen. Beispiele hierfür sind Kopfweh, Verspannungen, innere Unruhe, Gedankenkreisen … 

Mit dem dritten Satzanfang „ich setze mich selbst unter Stress, indem…“

schließlich werden persönliche Motive, Einstellungen und innere Haltungen angesprochen, mit denen wir an die belastenden Situationen herangehen und die häufig mitentscheiden sind dafür, ob überhaupt und wie heftig Stressreaktionen in diesen Situationen auftreten. Diese persönlichen Motive, Einstellungen und Haltungen prägen die persönliche Stressverarbeitung und stellen die Bindeglieder zwischen den äußeren Belastungssituationen (den Stressoren) und den Stressreaktionen dar. Wir bezeichnen sie als persönliche Stressverstärker.

In unserem alltäglichen Stressgeschehen handelt es sich immer um ein Zusammenspiel von äußeren Belastungsfaktoren einerseits und inneren persönlichen Stressverstärkern andererseits. Um dem persönlichen Stress im beruflichen wie privaten Alltag auf die Spur zu kommen, kommt es daher entscheidend darauf an, die relative Bedeutung von äußeren Stressoren und inneren Stressverstärkern für das Stresserleben in einer konkreten Situation zu klären. 

Die Frage, die man sich dazu überlegen und beantworten muss, lautet: inwieweit kommt der Stress in dieser Situation von außen und inwieweit setze ich mich selbst unter Stress? Diese scheinbar einfache Frage hat es in sich. Sie erfordert Mut und die Bereitschaft zu kritischer Selbstreflektion.

Die persönliche Seite des Stressgeschehens anzuerkennen, fällt manchen Menschen oft auch deshalb so schwer, weil sie dies innerlich mit einem Schuldeingeständnis gleichsetzen, welches dann Gefühle von Inkompetenz und Versagen oder gar Selbstvorwürfe hervorruft.

Das aber ist ein Missverständnis.

Es geht nicht um persönliche Schuld und individuelles Versagen. Die Erkenntnis des eigenen Stressanteiles befreit uns vielmehr aus der erlebten einseitigen Abhängigkeit von den äußeren Umständen.

Allzu oft erleben wir uns zu einseitig als Opfer der äußeren Stressoren, denen wir uns hilflos ausgeliefert sehen. Statt zu agieren, reagieren wir nur. Die Auseinandersetzung mit unserem persönlichen stressverschärfenden Einstellungen und Verhaltensweisen öffnet uns den Blick auf die Freiräume, auf Entscheidungsmöglichkeiten und auf Handlungsspielräume, die wir haben, um trotz bestehender äußeren Belastungen für unser eigenes körperliches und seelisches Wohlbefinden zu sorgen.

Hier zu möchte ich mit diesem Blog Anregungen geben und dir Mut machen, deine Freiräume zu erkennen und zu nutzen. Einfache Patentrezepte und schnelle Ratschläge allerdings helfen hier nicht wirklich weiter. Stress ist ein in hohem Maße individuelles Geschehen, und zwar im Hinblick auf alle seine drei Bestandteile: die Stressoren, die Stressreaktionen und die persönlichen Stressverstärker.

Entsprechend individuell, auf deine persönliche Lebens- und Arbeitssituation und auf deine individuelle Persönlichkeit bezogen, müssen auch die Ansätze zur Stressbewältigung sein, um langfristig erfolgreich sein zu können.

Ich lade dich daher ein, deine persönlichen Stressoren, Stressreaktionen und Stressverstärker zu erkennen und zu verstehen. 

Impuls der Woche:

Als Aufgabe der Woche wollen wir heute deinem Stress auf die Spur kommen: Bitte erinnere dich an eine für dich typische Stress-Situation aus der letzten Zeit. Führe dir möglichst klar vor Augen, was geschehen ist, und wie du darauf reagiert hast. Und dann frage dich:

Inwieweit kommt der Stress in dieser Situation von außen und inwieweit setze ich mich selbst unter Stress?

Teilt mir gerne eure Erfahrungen und Erkenntnisse mit. Ich freu mich auf eure Rückmeldungen.

Eine Gute Woche für Euch

Euer
Rainer Kapellen
it can be done
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